Es duftet nach Lebkuchen und Zimtsternen, am Tannenbaum leuchten die Kerzen, der Raum ist erfüllt von Kinderlachen und Musik: Weihnachten ist das Fest der Familie. Damit ist der Heilige Abend der perfekte Zeitpunkt, um ein neues Familienmitglied willkommen zu heissen, oder? Schliesslich wünschen sich viele Kinder nichts sehnlicher als einen vierbeinigen Spielgefährten.

Hunde, Katzen, Kaninchen und Co. sind als Weihnachtsgeschenke jedoch völlig ungeeignet. Anders als ein Pullover oder ein Spielzeug kann man sie nicht einfach umtauschen. Man übernimmt eine grosse Verantwortung, weshalb die Anschaffung im Vorfeld gut durchdacht sein sollte.

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Vorsicht vor Spontankäufen

Die Mitarbeiter:innen der Tierheime beklagen jedes Jahr aufs Neue, dass Haustiere vor Weihnachten unüberlegt erworben und dann nach den Feiertagen wieder abgegeben oder gar ausgesetzt werden. Spätestens im darauffolgenden Sommer verzeichnen viele Tierheime einen spürbaren Anstieg der Abgabe- und Fundtiere, wenn Fellnasen vorschnell zu Weihnachten verschenkt werden. Um dieser Entwicklung vorzubeugen, stellen immer mehr Tierheime die Tiervermittlung vor den Feiertagen komplett ein.
Natürlich schauen Tierheime das ganze über genau hin, wer da ein Tier adoptieren möchte, aber gerade zu Weihnachten muss das Signal gesetzt werden:
Ein Tier ist ein Lebewesen - keine Sache, die auf einem Wunschzettel abgehakt und im Zweifel gar umgetauscht werden kann!
Deshalb Finger weg von Spontan- und Überraschungskäufen. Die Entscheidung für ein Tier sollte immer nur gut informiert und durchdacht getroffen werden, in Rücksprache mit allen Beteiligten.

Kosten für ein Tierleben

Eltern sollten sich im Klaren darüber sein, dass sie die Pflege des tierischen MItbewohners weitestgehend alleine übernehmen müssen - ganz egal, wie sehr die Kids im Vorfeld beteuern, jeden Tag Gassi zu gehen oder den Kaninchenstall selbstständig zu reinigen. 
Ein weiterer wichtiger Faktor ist der finanzielle Aufwand. Ein durchschnittlliches Hundeleben dauert je nach Rasse und Grösse zwischen zehn und 15 Jahre, Herrchen und Frauchen sollten mit Kosten von insgesamt 40.000 bis 60.000 CHF rechnen. Katzen können 16 oder gar 20 Jahre alt werden und kosten im Schnitt 20.000 Franken.
Kleintiere wie Kaninchen und Meerschweinchen mögen in der Haltung günstiger sein, aber auch sie haben Bedürfnisse, die ein Leben lang gestillt werden wollen. Und die meisten Kleintiere dürfen nicht alleine gehalten werden.
Kommt dann bei einem Tier noch eine Krankheit, Unfälle oder Futterunverträglichkeit hinzu, steigen die Kosten nochmal in die Höhe.

Die Entscheidung, ob es möglich ist, einen vierbeinigen Mitbewohner ein ganzes Tierleben lang zu versorgen, sollten Familien stets gemeinsam treffen - wobei die Verantwortung selbstverständlich bei den Erwachsenen liegt. Wer kümmert sich in der Urlaubssaison um die Fellnase? Gibt es Tierhaarallergien in der Familie? Diese und andere wichtige Fragen müssen geklärt sein, bevor ein Hund, eine Katze oder eine Kaninchenbande einziehen können. Ein Grund mehr, warum Haustiere als plüschige Weihnachtsüberraschung vollkommen untauglich sind.

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Gemeinsamer Besuch im Tierheim

Doch selbst wenn sich die neuen Besitzer:innen ausreichend informiert haben und ernsthaft bereit sind, die lebenslange Fürsorge für eine Fellnase zu übernehmen, sind die turbulenten Feiertage ein denkbar schlechter Zeitpunkt für den Start. Verantwortungsbewusste Tierfreunde sollten den Einzug ihres neuen Liebling auf Mitte oder Ende Januar verschieben, wenn sich der Festtagstrubel gelegt hat und der Alltag zurückgekehrt ist.
Wer sich schon ganz sicher ist, dass im neuen Jahr ein Haustier das Familienleben bereichern soll, kann zum Beispiel einen selbst gebastelten Gutschein für einen Besuch im Tierheim verschenken. Nach Weihnachten nehmen sich die Mitarbeitenden gerne Zeit, um Interessenten umfassend zu beraten und den perfekten tierischen Mitbewohner zu finden.
Alternativ können Tierfreunde Ratgeberbücher verschenken, damit sich Gross und Klein schon einmal über die Bedürfnisse des vierbeinigen Familienmitglieds informieren können. Auch ein liebevoll verpacktes Accessoire wie eine Hundeleine oder ein Jouets pour chats schürt die Vorfreude auf den Neuankömmling, der nach den Feiertagen im Familienkreis willkommen geheissen werden soll.

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Spenden für den Tierschutz

Leider hat nicht jeder Tierfreund die Möglichkeit, einer Fellnase ein dauerhaftes Zuhause zu bieten - sei es, weil die Wohnverhältnisse ungeeignet sind, weil die finanziellen Mittel fehlen oder weil einfach die die freie Zeit zu knapp bemessen ist. In diesem Fall ist es im Sinne des Tierwohls, auf einen eigenen Hund bzw. auf eine eigene Katze zu verzichten. Glücklicherweise gibt es andere Wege, seine Tierliebe zum Ausdruck zu bringen, etwa durch eine Tierpatenschaft, eine Spende an eine Tierschutzorganisation oder eine Mitgliedschaft im Tierschutzbund. Alle drei Optionen eignen sich als originelle Weihnachtsgeschenke für Tierfreunde:innen. Denn durch Patenschaften, Sach- und Geldspenden sowie durch die Jahresgebühren der Fördermitglieder wird die wertvolle Arbeit der Tierheime unterstützt. Schliesslich sind es deren engagierte Mitarbeitende, die zur Stele sind, wenn nach Weihnachten wieder zahllose Hunde, Katzen und Kleintiere abgegeben werden. Wenn nach den Feiertagen der Arbeitsalltag wieder losgeht und keine Zeit mehr für Gassirunden bleibt oder wenn das verschenkte Kaninchen genauso uninteressant wie das neue Spielzeug geworden ist.

Mit einer Spende an das örtliche Tierheim kann man ganz unmittelbar den Tieren helfen. Ebenso kann man dem Tierschutzbund als Dachverband spenden; die verteilen die Gelder an Tierheime in Not und machen sich mit weiteren Tierschutzprojekten für unsere Mitgeschöpfe stark. 

Eine Spende für notleidende Tiere oder durch ein unüberlegt angeschafftes Haustier (unabsichtlich) neues Tierleid erzeugen: Die Entscheidung, welches Weihnachtsgeschenk das sinnvollere ist, dürfte wahren Tierfreunden nicht allzu schwer fallen.