Wir kommen nach Hause und ein seliges Schnurren empfängt uns. Die Verantwortliche schaut uns an. Sie weiss, dass wir sie in Kürze begrüssen und streicheln werden. Die Vorfreude lässt sie die vibrierenden Laute ausstossen. Diese Erwartung gleich folgenden Glücks ist einer der Gründe, warum Katzen schnurren. Doch es gibt noch viel mehr Anlässe dafür.

Babys Antwort auf die mütterliche Fürsorge

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Wenn die Katzenmutter ihre Neugeborenen ableckt und säugt, schnurrt sie immer dabei. Die Antwort kommt prompt: Ein zartes Schnurren der Kinder zeugt on ihrer Glückseligkeit. Das Schnurren verbinden die Katzenbabys ihr Leben lang mit Wohlbehagen. Wenn kein Artgenosse vorhanden ist, schnurren sie sich eben selber an - oder ihren Menschen.

Das gefällt mir - weiter so

Dass sie rundherum zufrieden sind, wenn sie gestreichelt werden, auf dem Schoss liegen dürfen oder sich an ihren Menschen schmiegen, zeigen  Katzen durch rhythmisches Gebrumm. Sie signalisieren damit, dass ihnen die körperliche Nähe des Menschen guttut und fordern gleichzeitig, dass die menschliche Hand weiter den Nacken krault oder zärtlich über ihren Rücken fährt.

Wir gehören zusammen, also lass uns nicht streiten

Schnurren gehört auch zu den Beschwichtigungssignalen: Wenn zwei Katzen sich gerade gestritten haben oder eine der anderen den Weg zum besten Schlafplatz verwehrt, fährt eine Katze schnurrend mit ihrer Zunge über den Kopf der anderen. Duldet die das, ist wieder Frieden.

Ich habe Appetit - wann gibt `s was Feines?

Das ist ein erlerntes Verhalten. Wenn Katzen sich etwas von uns wünschen, schauen sie uns direkt an, gurren und schnurren und wissen, dass wir nicht widerstehen können. Stimmt, denn der Ausdauer einer bettelnden Katze sind wir Menschen nicht gewachsen.

Schmerz, lass nach!

Katzen, die unter Muskel- oder Sehnenschmerzen leiden, und solche, deren Knochen geschädigt sind, schnurren sich buchstäblich gesund. Denn die Schwingungen, die das Schnurren auslöst, haben eine gesundheitsfördernde Wirkung. Knochenbrüche heilen schneller, die Muskeln und Sehnen werden durch die Vibration gelockert - die Schmerzen verschwinden nach und nach. Das ist inzwischen wissenschaftlich nachgewiesen.

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Mach dir nicht so viele Sorgen

Mit ihren feinen Sinnen nehmen Katzen die Stimmung ihres Menschen wahr. Sie spüren, wenn er traurig oder krank ist und suchen seine Nähe. Dann schnurren sie und reiben ihr Köpfchen am menschlichen Körper. Tatsächlich senkt sich dann dessen Blutdruck und die Stimmung steigt, weil der menschliche Körper Glückshormone ausschüttet - der Katzenkörper genauso.

Schnurren ist ansteckend

Das haben Verhaltensforscher nachgewiesen. Wenn in einer Katzengruppe ein Tier beginnt zu schnurren, dauert es nicht lange, bis daraus ein Schnurr-Chor wird. Die entspannende Wirkung überträgt sich auf alle. Bei Bauernhofkatzen lässt sich oft beobachten, wie sich alle Samtpfoten auf diese Weise in eine längere Schlafrunde schnurren.

Weg zur inneren Ruhe

Nach einem Schock oder riesigen Schreck schütteln sich viele Katzen und kauern sich dann in ein Versteck, wo sie zu schnurren beginnen. Auch Katzen, die durch Lärm oder zu viel Trubel gestresst werden, ziehen sich schnurrend zurück. Das hat eine ähnliche Wirkung, wie das "Ommm!" bei uns Menschen. Herzschlag und Puls verlangsamen sich, die Atmung wird wieder gleichmäßig, die Katze kommt zur Ruhe.

Wie funktioniert das eigentlich?

Wie und womit Katzen schnurren, ist noch nicht eindeutig geklärt. Es gibt verschiedene Theorien, aber keine Beweise. Möglich sind Impulse des Kehlkopfes, wodurch die die Stimmritze vibriert. In der Diskussion ist auch die Atemluft, die am Zungenbein vorbei streicht und so die Schwingungen auslöst. Einige Forscher vermuten, dass Hautlappen in der Nähe der Stimmbänder wie zusätzliche Stimmbänder wirken und über die Atmung zur Vibration gebracht werden. Fakt ist, dass nicht alle Mitglieder der Katzenfamilie schnurren können, sondern nur die sogenannten Kleinkatzen. Die Grossen wie Löwe, Tiger und Leopard können stattdessen brüllen, was wiederum unseren Hauskatzen nicht möglich ist.

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Das können wirklich nur Katzen

Du kannst es gern ausprobieren: Singe mal beim Ein- und beim Ausatmen. Das geht nicht. Katzen dagegen beherrschen das perfekt. Zwischen 20 und 30 Schwingungen pro Sekunde lösen das Schnurren beim Aus- und beim Einatmen aus. Das Ganze in einer niedrigen Tonfrequenz. Die beträgt zwischen 27 und 40 Hz beim Einatmen und 16 - 28 Hz beim Ausatmen. Zusätzlich kann die Katze sogar noch miauen, essen oder trinken, ohne das Schnurren zu unterbrechen. Eine Technik, die nur die Katze beherrscht. 

 

Wirkt das Schnurren auch bei uns?

Weil gegen Schmerzen, zur Muskelstimulation und zur Vorbeugung gegen Osteoporose niedrig-frequenter, schwacher Wechselstrom (10 - 100 Hz) eingesetzt wird und spezielle Vibrationsgeräte, die ebenfalls mit niedriger Frequenz auf den menschlichen Körper wirken, das Risiko für Knochenbrüche senken sollen, versuchen Wissenschaftler zu klären, ob das Katzenschnurren  - etwa auf dem Bauch des Menschen - durch seine Schwingungen ähnlich wirkt. Erste Ergebnisse sind zwar vielversprechend, aber endgültig bewiesen ist das nicht. Schliesslich erzeugt das Schnurren der Katze ohnehin ein Wohlgefühl beim Menschen, das sich wiederum auf die Stärkung des Immunsystems und die Selbstheilungskraft positiv auswirkt. Ganz ausschliessen wollen die Mediziner aber nicht, dass das Schnurren der Katze eine Art Physiotherapie für den Menschen ist.