Die Verhaltensforscher haben es nachgewiesen: Ein Hund, der unter Stress gesetzt wird, schaltet innerlich ab. Er kann nicht mehr lernen, sondern reagiert auf den Zwang mit schnellem Vergessen. Will heissen: Der Mensch muss jedes Mal wieder von vorne anfangen. Wir wissen inzwischen auch, dass nur ein motivierter Hund aufmerksam bleibt und mit Freude versucht, alles richtig zu machen. Hundeerziehung heute funktioniert ganz anders als noch vor zwanzig Jahren. Wie also machst du es richtig?

Das weckt die Lust auf mehr

Ganz am Anfang steht der Leckerbissen. Schliesslich gehört Nahrung zu den wichtigsten Grundbedürfnissen jedes Lebewesens. Später, wenn das Lernprogramm Mensch und Hund gleichermassen Spass macht, kannst du den Belohnungshappen weglassen und durch ein dickes Lob oder ein lustiges Spiel ersetzen.

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Doch zunächst braucht dein Liebling ja einen Anreiz, etwas zu tun und dieses Tun mit deinen Worten und Gesten zu verknüpfen. Um ihn zu einem "Sitz" zu bewegen, führst du einfach deine Hand mit einem Käse- oder Wiener-Stückchen über seinen Kopf. Wenn er dem Duft folgen will, muss er sich setzen und sofort kriegt er, worauf er scharf war. Ein Erfolgserlebnis, das ihn dazu bewegt, genauer hinzuschauen und zu hören. Ganz schnell wird er das "Sitz" lernen und genauso schnell legt er sich hin, wenn du den Leckerbissen vor dem sitzenden Hund auf dem Boden von ihm wegziehst. Bis er das "Sitz" und "Platz" so intus hat, dass er automatisch den Po auf den Boden setzt, wenn er deinen Wunsch hört und deine nach oben gehobene Hand registriert, lockst du ihn weiter mit der schmackhaften Belohnung. Plus einem kleinen Freudensprung deinerseits, einem Jubelruf und der Hundehymne "Feeein!".

Zu viel Ehrgeiz schadet nur

Die anfänglichen schnellen Erfolge reizen so manchen, seinen Hund mit Aufgaben zu überhäufen. Die eigenen Erziehungsziele werden hoch angesetzt und überfordern den Schüler, der täglich eine neue Lektion soll. Beim Vierbeiner stellt sich schnell Frust ein, er wird vom Menschen unter Erfolgsstress gesetzt. Die Folge sind Gedächtnislücken. Stecken dir ruhig Ziele, aber gehe diese langsam an. Dein Hund muss nicht jeden Tag etwas Neues lernen, sondern soll - erfolgreich und bejubelt - das bereits Gelernte wiederholen, bevor er ein neues Signal erhält.

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Pausen erhöhen den Erfolg

Studien haben gezeigt, dass auch gut ausgebildete Rettungshunde nach zwanzig Minuten körperlich und geistig so erschöpft sind, dass sie ausgewechselt werden müssen. Einem Familienhund geht es nicht anders. Deshalb legen gute Hundeschulen oft schon nach einer Viertelstunde intensiven Trainings eine Spielpause ein. Dabei kann ein Hund entspannen und Kraft tanken. Ausserdem verbindet er den Unterricht mit diesen erholsamen Pausen und ist bereit für die nächste Lektion.

Nicht schimpfen - schweigen

Wenn du deinen Hund anbrüllst, weil er nicht kapiert, was du von ihm willst, erreichst du höchstens, dass er Angst vor dir bekommt. Wenn etwas nicht klappt, schweige und reagiere einige Minuten nicht auf auf seine Versuche, sich bei dir wieder beliebt zu machen. Danach wiederholst du deinen Wunsch. Das wirkt zigmal besser als jegliche Strafe. Und genauso schnell wie Hunde von wütend auf auf zärtlich umschalten, mache das auch. Schlucke den Ärger runter und lobe überschwänglich, wenn er wieder auf Spur ist.

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Richtig Grenzen setzen

Manchmal muss es sein und du kommst mit Ignorieren nicht weiter. Dann gilt:"Bis hierhin und nicht weiter!". Dein "Nein!"  oder "Pfui!" muss punktgenau sitzen und darf scharf klingen. Bis er das Stopp-Signal verinnerlicht hat, erzwinge es: Greife ins Geschirr, wenn er Verbotenes fressen will, versperre ihm den Weg, wenn er lossausen möchte, bleibe stehen, wenn er sich in die Leine wirft. Überprüfe, ob er die Verbotsworte versteht, indem du ihm ein Würstchen vor die Pfoten legst und ihn verbal stoppst, wenn er sich sich darauf stürzen will. Tut er es nicht, gebe den Happen frei.